Nur Fliegen ist schlimmer

Mobilität macht unser Leben schneller und spannender. Doch wenn wir nicht bewusster mit ihr umgehen, setzen wir die Zukunft unseres Planeten aufs Spiel. Als umweltschädlichstes Verkehrsmittel gilt das Flugzeug.

Der Flugverkehr richtet mit seinen Abgasen größere Schäden an als der Automobilverkehr oder die Schifffahrt. Jeder Liter Kerosin belastet das Klima ungefähr zwei Mal so stark wie ein Liter Benzin für das Auto. Mobilität hat ihren Preis – und dieser Preis ist hoch: es ist die Zukunft unserer Erde.

95 Prozent aller Menschen sind noch nie per Flugzeug gereist

– und es sind genau diese 95 Prozent, die am stärksten unter den Folgen des Flugverkehrs zu leiden haben.

(Quelle: Germanwatch, die Organisation setzt sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen ein)

Australien, Amerika oder auf die Fidschi-Inseln –  Ziele, die sich auf der anderen Seite der Erdkugel befinden, sind kaum anders als mit dem Flugzeug zu erreichen. Immer häufiger jedoch werden Flüge innerhalb Deutschlands oder Europas gebucht, dabei könnte man diese Strecken auch bequem mit dem Zug erreichen. Mal auf eine Tasse Kaffee nach Rom oder zum Shoppen nach Berlin – mit Billig-Airlines geht das schnell und die Preise für ein Flugticket passen ins Budget. Wie sehr die Umwelt durch die Nutzung von Kurzstreckenflügen leidet, ist leider noch immer den wenigsten bewusst.

Pro Tag starten weltweit etwa 80.000 Flugzeuge, davon alleine in Deutschland 8.000.

Die folgende interaktive Karte zeigt alle Flugzeuge, die in genau diesem Moment über den Globus fliegen. Zoomt man aus Deutschland heraus, zeigt sich ein gelber Gürtel, der das enorme Flugaufkommen der USA, Europas und Asiens verdeutlicht.

Mittlerweile produziert die Menschheit deutlich mehr Kohlenstoffdioxid als die Natur verträgt.

Die Folgen: Der Treibhauseffekt und die damit einhergehende globale Erwärmung. Auch lokale Klimaveränderungen, die beispielsweise zu häufigeren und stärkeren Naturkatastrophen führen, entstehen. Kohlenstoffdioxid trägt zu mehr als 50 Prozent zum Treibhauseffekt bei und entsteht vor allem bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas. Gegenwärtig erzeugt der Luftverkehr etwa das Doppelte an CO2 wie die gesamte Bevölkerung Indiens (1,25 Milliarden Menschen).

Die Stoffe, die bei der Verbrennung von einem Liter Kerosin entstehen, machen den Treibstoff zu einem wahren Umweltkiller:

Kohlenstoffdioxid

Bei der Verbrennung von Kerosin wird Kohlenstoffdioxid (CO2) ausgestoßen. CO2 ist maßgeblich für den Treibhauseffekt verantwortlich. In Deutschland haben sich die Emissionen seit 1990 verdoppelt.

Wasserdampf

Durch die Verbrennung der Kohlenwasserstoffe, die im Kerosin enthalten sind, entsteht zusätzlicher Wasserdampf, der als starkes Treibhausgas fungiert. In mit Wasserdampf und Aerosolen angereicherter Luft entstehen Wolken, die den Treibhauseffekt begünstigen.

Stickoxide

Flugzeuge stoßen aufgrund der sehr heißen Verbrennung von Kerosin Stickoxide aus, die andere Gase beeinflussen. Als Effekt wird Ozon gebildet. Ozon ist ein starkes Treibhausgas, das in hohen Luftlagen noch stärker zum Treibhauseffekt beiträgt als in Bodennähe.

Kohlenmonoxid

Kohlenmonoxid ist ein Gift, das die Sauerstoffkapazität im Blut verringert. Hohe Konzentrationen können innerhalb weniger Sekunden zum Tod führen, doch auch geringe Mengen können lebensgefährlich werden.

Wer denkt, dass wir in Deutschland von den Auswirkungen des Flugverkehrs auf unsere Umwelt verschont bleiben, der irrt.

Besonders in diesem Jahr können wir den Klimawandel nicht mehr leugnen: Kräftige Gewitter, anhaltender Starkregen, sogar Tornados gibt es hierzulande immer häufiger. Wie extrem diese Folgen sein können, zeigten zuletzt die Überflutungen im niederbayerischen Simbach am Inn.

Viele Menschen spüren das steigende Flugaufkommen am eigenen Leib. Ein Beispiel: Die Bewohner von Memmingen. Seit vor sechs Jahren der Regionalflughafen für Billig-Airlines im Allgäu eröffnet hat, leiden die direkten Anwohner nicht nur unter den Schadstoffen, sondern auch wegen der massiven Lärmbelastung.

"Flugbewegungen in der Nacht sind für die Kinder eine erhebliche Belastung."

von Harald Schmalz

Har­ald Schmalz bangt um die Ge­sund­heit sein­er Kin­d­er. Sei­ne klei­ne Toch­ter er­litt we­gen des en­or­men Flug­lärms be­reits meh­r­e­re Pan­ik­at­tack­en.

Ri­ta Fink musste aufgrund der Abgase und Ruß­par­ti­kel, die die Flug­zeuge über dem Grund­stück ab­las­sen, ihr­en Ge­müs­e­gar­ten auf­­ge­b­en.

"Die Früchte haben einen schwarzen Ölfilm."

von Rita Fink

Ob sich Situationen, wie die von Rita Fink, Harald Schmalz und seinen Kindern häufen – oder sich das Schicksal dieses Planeten und seinen 7,125 Milliarden Bewohnern abwenden lässt, hängt von der Entscheidung jedes Einzelnen ab.

Mobilität ist schön, aber sie hat auch Grenzen. Nur durch einen bewussteren Umgang kann der CO2-Ausstoß gesenkt werden. Ein Trip von München nach Berlin am Wochenende? Anstatt in den Billigflieger zu steigen, kann man auch den Zug nehmen oder sich eine Mitfahrgelegenheit suchen – und damit der Umwelt einen Gefallen tun.

Hier ein Vergleich der drei Verkehrsmittel Flugzeug, Auto und Zug am Beispiel der Strecke München-Berlin. 

Luisa Lamm

Julia Richter

Luisa Starck

Nadja Tausche

Das interessiert Euch bestimmt auch:

Einfach mal (r)aus: Wie lange lässt es sich ohne Handy und Co. aushalten?

Liebe auf Dis­tanz: Be­zie­hun­gen per App pfle­gen oder doch zu­sam­men­zie­hen?

Share This