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Schon heute hat sich die Medizin aufgrund der digitalen Entwicklungen in der Branche verändert. Projekte wie der Operationsroboter „DaVinci“ versprechen, die Medizin der Zukunft zu revolutionieren. Entwickelt wurde der Operationsroboter in den Achtziger-Jahren, um in Kriegsgebieten ferngesteuert operieren zu können.

Stattdessen wird er mittlerweile im zivilen Bereich eingesetzt, beispielsweise in der Martini Klinik am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg. Zwar muss der Operationsroboter von Menschen gesteuert werden. Der Vorteil ist allerdings, dass man das Zittern der Chirurgenhand nicht riskiert.

Auch der alltägliche Arztbesuch wird sich in der Zukunft wohl anders gestalten. Wenn es nach Dr. Markus Müschenich ginge, wird sich die Zahl der Arztbesuche in Zukunft drastisch verringern.

Menschen steuern den Operationsroboter DaVinci aus der Ferne. Bildrechte: Nimur / wikipedia.de

„Ein Drittel der Arztbesuche sind so banal, dass sie digital abgefertigt werden können.“

Der Mediziner gilt in seiner Branche als Vordenker für die Medizin der Zukunft. Vor vier Jahren gründete er das Startup-Unternehmen „Flying Health“, das Startups mit einem digitalen Diagnose- und Therapieansatz bei ihrem Markteintritt unterstützt und betreut. Dabei setzt der Inkubator auf die Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen aus dem Gesundheitswesen.

Die digitale Medizin komme in weiten Teilen ohne Arzt aus, ist Müschenich überzeugt. „Von 600 Millionen Arztkontakten pro Jahr sind ein Drittel so banal, dass sie digital abgefertigt werden könnten“, sagt er. Für die Patienten bedeute das vor allem eine Zeitersparnis. Rund zehn Prozent der Patienten vertrauen laut Müschenich bereits auf die digitale Medizin.

Jeder Patient wünsche sich einen erfahrenen Arzt, sagt Müschenich. Aber was, wenn dessen Erfahrung von der Erfahrung der künstlichen Intelligenz überboten wird? Stichwort „Deep Learning“: Die Maschinen lernen mit jedem neuen Patientenfall dazu und können deshalb in großer Geschwindigkeit auf eine Vielzahl von Informationen zurückgreifen.

Jeder Patient soll frei entscheiden können

Für Dr. Hans-Ulrich von Sobbe gehört zum „Deep Learning“ aber immer das Feedback von Medizinern. Der Dermatologe ist Gründer der App „Lifespot Skin“, die ab nächstem Jahr marktreif werden soll. Leidet ein User an einer Hautkrankheit und lädt mithilfe dieser App ein Foto der betroffenen Stelle hoch, stellt das System eine wahrscheinliche Diagnose. Das Ziel ist, das System so schlau zu machen, dass es dem Wissen und der Kombinationsgabe eines sehr guten Hautarztes entspricht. „Die App soll aber den Arztbesuch nicht ersetzen“, betont von Sobbe. Sie diene lediglich einer „first opinion“, die sowohl dem Patienten als auch dem Arzt bei der Diagnose unterstützen soll.

Gedanken um eine Falschdiagnose der digitalen Diagnoseanwendungen macht sich Dr. Markus Müschenich nicht. Natürlich sei die Gefahr, dass das System versagen könnte, immer da. „Die Gefahr besteht aber auch beim traditionellen Medizinsystem“, sagt er. Letztendlich solle jeder Patient selbst entscheiden, wem er mehr vertraue: der digitalen oder der traditionellen Medizin. „Unser Ziel ist die maximale Patientenfreiheit.“

Bild: Ulrich von Sobbe

Dr. Hans-Ulrich von Sobbe ist Gründer der „Lifespot Skin“-App. Bildrechte: Hans-Ulrich von Sobbe